Aktien-Spiel mit Freunden: So funktioniert eine Liga für Aktien
Fantasy Football, nur mit Aktien: Jeder stellt fünf Aktien auf, am Freitag wird abgerechnet, die Tabelle entscheidet. Welche Regeln so eine Liga fair machen, wie ihr ohne App starten könnt und was eine App abnimmt.
Das Vorbild: Fantasy Football
Die Idee ist alt. 1962 entwickelten Bill Winkenbach, ein Teilhaber der Oakland Raiders, und zwei Bekannte die Regeln für ein Spiel, in dem Freunde echte Footballspieler in eigene Mannschaften aufstellen und nach den echten Spielergebnissen Punkte bekommen. Die erste Liga startete 1963. Heute spielen nach Angaben des Branchenverbands FSGA rund 62,5 Millionen Menschen in den USA und Kanada Fantasy Sports (Zahl für 2022, zitiert nach Wikipedia).
Übertragen auf Aktien heißt das: Statt Spieler stellst du Aktien auf. Statt Touchdowns zählen Kursveränderungen. Statt der Saison gibt es Wochen. Und statt gegen die ganze Welt spielst du gegen die Leute in deiner Liga, also gegen Freunde, Mitbewohner, Kommilitoninnen oder die Familie.
Die Grundregeln einer fairen Aktien-Liga
Damit eine Liga Spaß macht und nicht im Streit endet, braucht sie wenige, klare Regeln. Diese sieben haben sich bewährt:
- Gleiche Auswahl für alle. Alle wählen aus derselben Liste, etwa große Aktien aus den USA und Deutschland. Sonst gewinnt, wer die exotischste Aktie kennt.
- Feste Anzahl. Fünf Aktien sind ein guter Wert: genug für etwas Streuung, wenig genug, dass man jede Wahl begründen kann.
- Gleiche Gewichtung. Jede Aktie zählt ein Fünftel. Das Ergebnis ist der Durchschnitt der fünf Veränderungen in Prozent. Ohne diese Regel setzt jemand alles auf eine Aktie, und die Liga wird zum Münzwurf.
- Fester Zeitraum mit festen Stichtagen. Zum Beispiel: Eröffnungskurs am Montag bis Schlusskurs am Freitag. Alle Aufstellungen müssen vor dem ersten Stichtag stehen.
- Ergebnis in Prozent, nicht in Euro. Dann ist egal, wie teuer eine Aktie ist, und niemand braucht ein Startkapital.
- Der Markt spielt mit. Ein Index wie der S&P 500 oder der DAX steht als eigene Zeile in der Tabelle. Wer unter dem Index liegt, hat in dieser Woche verloren, auch mit Plus.
- Eine Kursquelle für alle. Kurse unterscheiden sich je nach Börse und Anbieter um Cent-Beträge. Legt vorher fest, woher die Zahlen kommen.
Warum fünf Aktien und eine Woche
Beides ist ein Kompromiss zwischen Glück und Können. Eine Aktie über einen Tag ist fast reiner Zufall. Fünfzig Aktien über zehn Jahre sind ein Fonds. Dazwischen liegt ein Bereich, in dem es Spaß macht, Entscheidungen zu treffen, und in dem man trotzdem noch etwas über die Entscheidungen lernen kann.
Die Woche hat zwei weitere Vorteile. Sie hat einen natürlichen Rhythmus: Montag aufstellen, unter der Woche hinschauen, Freitag Abrechnung, Wochenende frei. Und sie ist kurz genug, dass eine schlechte Woche nichts bedeutet. Wer über eine ganze Saison vorn liegt, hat etwas gezeigt. Wer eine Woche gewinnt, hatte vielleicht einfach die eine Aktie drin, die in dieser Woche zehn Prozent gemacht hat.
Die Gleichgewichtung schließlich ist die Regel, über die am meisten diskutiert wird. Sie verhindert die Alles-auf-eine-Karte-Aufstellung, und sie zwingt dazu, über fünf Unternehmen nachzudenken statt über eines. Genau das ist der Lerneffekt.
So startet ihr ohne App
Eine Liga braucht keine Software. Was ihr braucht:
- Eine geteilte Tabelle (eine Tabellenkalkulation reicht) mit einer Zeile je Spieler und fünf Spalten für die Aktien.
- Die Regeln aus dem Abschnitt oben, aufgeschrieben, und eine Kursquelle, auf die sich alle einigen: ein Finanzportal, immer dieselbe Börse.
- Jemanden, der am Montag die Eröffnungskurse einträgt und am Freitag die Schlusskurse. Diese Person darf selbst mitspielen, aber ihre Aufstellung muss vorher feststehen.
- Eine Gruppe im Messenger für die Abrechnung und die Sprüche.
Fallen, die fast jede Tabellen-Liga erwischen: Dividenden (am Ex-Tag fällt der Kurs rechnerisch, ohne dass etwas passiert ist), Aktiensplits (der Kurs teilt sich, die Tabelle zeigt minus 50 Prozent), Feiertage (die US-Börse hat andere als Frankfurt), Zeitzonen (der US-Schlusskurs kommt um 22 Uhr deutscher Zeit) und Tippfehler beim Abschreiben. Wer das einmal durchgemacht hat, versteht, warum die meisten Tabellen-Ligen nach drei Wochen einschlafen. Der Aufwand liegt bei der Buchhaltung, der Spaß bei den anderen.
Was eine App übernimmt
Eine App für Aktien-Ligen nimmt genau diesen Teil ab: Sie holt die Kurse aus einer Quelle, rechnet am Stichtag ab, führt die Tabelle und merkt sich die Saison. Dazu kommen Dinge, die mit einer Tabelle nicht gehen: Aufstiege zwischen Ligen, Trophäen für die besten Wochen, Lektionen für die, die erst anfangen.
Woran du eine gute App erkennst, steht ausführlich im Artikel Börsenspiel-App: Welche Arten es gibt. Kurz: Kursquelle genannt, Spielgeld ohne Einsatz, Index in der Tabelle, Regeln in einem Satz, keine Kaufempfehlungen.
In eigener Sache: So läuft die Woche in Kumpano
Kumpano ist genau diese Liga als iPhone-App. Montag stellst du fünf Aktien aus rund 580 Werten auf, jede zählt ein Fünftel. Dienstag bis Freitag bewegt jeder Börsentag die Tabelle deiner Liga; neben jeder Aktie siehst du, wie sie gegen den S&P 500 oder den DAX läuft. Freitagabend wird abgerechnet: Die Besten holen Trophäen für die Saison, und mit guten Wochen steigst du durch zehn Ligen auf, vom Bordstein bis zum Gipfel.
Gespielt wird mit Spielgeld. Die App ist kostenlos, ab 13 Jahren und vermittelt keine Wertpapiere. Auf der Startseite kannst du eine echte Woche aus dem Oktober 2026 selbst nachspielen: fünf Aktien wählen und sehen, wo du in der Beispiel-Liga gelandet wärst.
Was so eine Liga bringt und was nicht
Sie bringt Aufmerksamkeit. Wer fünf Aktien aufgestellt hat, liest Nachrichten über diese Firmen anders, merkt sich Quartalszahlen und Zinsentscheide und bekommt ein Gefühl dafür, wie stark Kurse an einem normalen Tag schwanken. Sie bringt Gespräche: Warum hast du ausgerechnet die genommen? Wieso haben alle dieselbe Aktie drin? Und sie bringt eine ehrliche Lektion, nämlich dass der Index schwer zu schlagen ist.
Was sie nicht bringt: eine Anlagestrategie. Eine Woche ist für eine Geldanlage kein Zeitraum, und wer in der Liga gewinnt, sollte daraus nicht ableiten, dass er mit echtem Geld dasselbe könnte. Kumpano ist ein Spiel, kein Depot und keine Beratung. Wer anlegen will, braucht andere Werkzeuge und Zeit.
Quellen
- Wikipedia (englisch), „Fantasy sport“, Abschnitt History: Entstehung 1962/63 und FSGA-Zahl 62,5 Mio. für 2022: https://en.wikipedia.org/wiki/Fantasy_sport
- Fantasy Sports & Gaming Association, Industry Demographics (Berichte für Mitglieder): https://thefsga.org/industry-demographics/
- Kumpano, Fragen und Antworten: https://kumpano.app/fragen