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Börsenspiel-App: Welche Arten es gibt und worauf es ankommt

· Moritz Henzler · Lesezeit 6 Min.

Planspiel mit festem Zeitraum, Musterdepot, Simulator oder Liga unter Freunden: Hinter „Börsenspiel-App“ stecken vier verschiedene Dinge. Was sie unterscheidet, woran du eine gute erkennst und was ein Börsenspiel nie sein kann.

Was ein Börsenspiel ist

Ein Börsenspiel nimmt echte Kurse und ersetzt das echte Geld durch Spielgeld. Du kaufst Aktien, die es wirklich gibt, zu Kursen, die wirklich gestellt werden, und am Ende zählt, wie sich dein Spieldepot entwickelt hat. Verlieren kannst du nur Punkte oder einen Platz in der Tabelle. Genau das macht den Reiz aus: Du lernst, wie die Börse reagiert, ohne dass eine Entscheidung dein Konto trifft.

Das Interesse ist da. Nach den Aktionärszahlen des Deutschen Aktieninstituts besaßen 2025 rund 14,1 Millionen Menschen in Deutschland Aktien, Aktienfonds oder ETFs, 4,9 Millionen davon waren unter 40. Viele von ihnen haben irgendwann mit Spielgeld angefangen, in der Schule, an der Hochschule oder in einer App. Wer heute „Börsenspiel App“ sucht, bekommt allerdings sehr verschiedene Dinge angeboten. Es lohnt sich, die Arten auseinanderzuhalten.

Vier Arten von Börsenspielen

1. Planspiele mit festem Zeitraum

Das klassische Format: Ein Veranstalter legt einen Zeitraum fest, Teams melden sich an, bekommen ein virtuelles Startkapital und handeln bis zum Stichtag. Danach gibt es eine Rangliste und oft Preise. Das bekannteste Beispiel im deutschsprachigen Raum ist das Planspiel Börse, das seit 1983 jedes Jahr stattfindet. Die Runde 2026 läuft laut Veranstalter vom 1. Oktober 2026 bis zum 25. Januar 2027, gespielt wird in Teams von zwei bis vier Personen, und die Anmeldung braucht einen Registrierungscode des Veranstalters oder der Lehrkraft.

Stärke: feste Regeln, ein klares Ende, Betreuung durch Lehrkräfte. Grenze: Außerhalb des Zeitraums gibt es nichts zu spielen, und wer nicht über eine Schule, eine Hochschule oder einen Code dazukommt, bleibt draußen.

2. Musterdepots und virtuelle Depots

Broker und Finanzportale bieten Musterdepots an, in denen du Aktien beobachten oder mit Spielgeld kaufen kannst. Sie laufen unbegrenzt, du spielst allein, und es gibt keine Abrechnung. Der Zweck ist meist ein anderer als Spielen: Das Musterdepot soll dich an den Anbieter binden, bis du dort ein echtes Depot eröffnest.

Stärke: nah an der Oberfläche eines echten Depots, gut zum Beobachten. Grenze: Ohne Gegner, ohne Zeitrahmen und ohne Ergebnis fehlt der Anlass, überhaupt hinzuschauen.

3. Simulator-Apps

Trading-Simulatoren sind Spiele im engeren Sinn: Du handelst mit Spielgeld, oft mit Hebel, oft mit Kryptowährungen oder Devisen dazu, und du kannst Spielgeld oder Extras kaufen. Manche zeigen Kurse mit Verzögerung, manche arbeiten mit erfundenen Werten.

Stärke: schnell, unterhaltsam, jederzeit verfügbar. Grenze: Hebel und Minutenhandel haben mit dem, was Anleger wirklich tun, wenig zu tun. Wer hier Erfolg hat, hat gelernt, ein Spiel zu spielen, nicht die Börse zu verstehen.

4. Ligen unter Freunden

Das jüngste Format überträgt das Prinzip von Fantasy Football auf Aktien: Jeder stellt für einen festen Zeitraum eine Auswahl auf, am Stichtag wird nach echten Kursen abgerechnet, und die Tabelle der eigenen Liga entscheidet, wer vorn liegt. Gespielt wird gegen Leute, die man kennt, in kurzen Runden, mit einfachen Regeln.

Stärke: Gesprächsstoff, Wettbewerb, ein fester Rhythmus. Grenze: Eine einzelne Woche sagt wenig über Können; das Format lebt davon, dass viele Wochen zusammenkommen.

Woran du eine gute Börsenspiel-App erkennst

Egal welche Art: Ein paar Fragen trennen brauchbare Spiele von Zeitfressern.

  • Woher kommen die Kurse? Eine gute App nennt die Quelle und sagt, ob die Kurse verzögert sind. Erfundene oder ungenannte Kurse machen das Spiel wertlos.
  • Ist wirklich kein Geld im Spiel? Spielgeld heißt: kein Einsatz, keine Auszahlung, keine Käufe, die dich im Spiel weiterbringen. Wer Spielgeld gegen echtes Geld verkauft, verkauft dir einen Vorteil, keine Erfahrung.
  • Gibt es einen Vergleich mit dem Markt? Plus drei Prozent klingt gut, bis du siehst, dass der Index in derselben Woche plus fünf gemacht hat. Ohne Index in der Tabelle kannst du Glück nicht von Können unterscheiden.
  • Sind die Regeln in einem Satz erklärbar? „Fünf Aktien, eine Woche, Freitag Abrechnung“ versteht jeder. Zwanzig Ordertypen und Hebel versteht fast niemand, und sie verführen zum Zocken.
  • Gibt es Kaufempfehlungen? Ein Spiel darf erklären, was eine Aktie ist. Es darf dir nicht sagen, welche du kaufen sollst. Wo Tipps, Signale oder Prognosen verkauft werden, ist es kein Spiel mehr.
  • Welche Daten verlangt die App? Ein Geburtsjahr für den Jugendschutz ist nachvollziehbar, Kontodaten oder ein Ausweis nicht. Lies, was die Datenschutzerklärung sagt und ob du dein Konto löschen kannst.
  • Was kostet es wirklich? Abo, Käufe in der App, Werbung: Alles drei kann in Ordnung sein, es muss nur vorher klar sein.

Was ein Börsenspiel nicht ist

Ein Börsenspiel ist kein Depot und keine Anlageberatung. Es zeigt dir, wie Kurse sich bewegen und wie du auf Bewegungen reagierst. Es zeigt dir nicht, wie es sich anfühlt, wenn eigenes Geld im Spiel ist, und genau dieses Gefühl ist bei echten Anlegern der häufigste Grund für Fehler.

Dazu kommen drei Dinge, die ein Spiel weglässt: Gebühren, Steuern und Zeit. Im Spiel kostet eine Order nichts, Gewinne werden nicht besteuert, und eine Woche ist für ein Spiel lang, für eine Geldanlage kurz. Wer in einem Börsenspiel vorn liegt, hat deshalb nicht bewiesen, dass er gut anlegt. Er hat gezeigt, dass er in diesem Zeitraum mit diesen Regeln gute Entscheidungen getroffen hat, oder Glück hatte. Beides ist in Ordnung, solange man es weiß.

Kurze Spielzeiträume belohnen außerdem Risiko: Wer alles auf eine schwankende Aktie setzt, landet in einer Woche eher ganz oben oder ganz unten als in der Mitte. Gute Spiele begrenzen das, etwa durch gleiche Gewichtung mehrerer Aktien oder durch viele Runden, in denen sich Zufall ausgleicht.

In eigener Sache: Wie Kumpano es hält

Kumpano gehört zur vierten Art. Jede Woche stellt jeder in der Liga fünf echte Aktien aus rund 580 Werten aus den USA und Deutschland auf, jede Aktie zählt ein Fünftel. Am Freitagabend wird nach den tatsächlichen Kursen abgerechnet, die Tabelle der Liga wird neu sortiert, und der S&P 500 oder der DAX stehen als Vergleichszeile mit drin. Gespielt wird mit Spielgeld; die App ist kostenlos, ohne Abo und ohne Käufe, ab 13 Jahren, und sie vermittelt keine Wertpapiere. Wer die Grundlagen braucht, findet in der Akademie 61 kurze Lektionen. Derzeit läuft Kumpano als geschlossene Beta für iOS; wie der Zugang funktioniert, steht in den Fragen und Antworten.

Wie eine solche Liga im Detail abläuft, erklärt der Artikel Aktien-Spiel mit Freunden. Wer zuerst die Grundlagen will: Aktien lernen als Jugendlicher.

Quellen

  1. Deutsches Aktieninstitut, Aktionärszahlen 2025 (13. Januar 2026): https://www.dai.de/aktionaerszahlen-2025-aktienanlage-im-aufwind
  2. Planspiel Börse, Termine und Teilnahme der Runde 2026: https://www.planspiel-boerse.de/
  3. Planspiel Börse, Geschichte (erstes Spiel 1983): https://www.planspiel-boerse.de/2026-geschichte.html